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Ausgabe 8-2024

Ausbildung ist unverzichtbar

Martin Giehl

Die Energiewirtschaft ist das Rückgrat der Energiewende und sorgt dafür, die Lebensadern einer Region aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig steht sie inmitten einer Vielzahl von Herausforderungen und befindet sich im Wandel. Der Umstieg auf erneuerbare Energien, die fortschreitende Digitalisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz verändern nicht nur Geschäftsmodelle und Kundenbedürfnisse. Sie verändern auch die Anforderungen an die Qualifikation von Mitarbeitenden in der Energiewirtschaft, insbesondere in der Erzeugung – und damit auch an die Ausbildung. Zukünftige Fachkräfte brauchen das entsprechende know-how, um mit den neuen Technologien umzugehen.

Darüber hinaus spüren wir heute schon die Auswirkungen des demografischen Wandels. Bis 2035 gehen beispielsweise mehr als 25 Prozent unserer Belegschaft in Rente. Deshalb stellen wir uns die Frage, wie wir das kompensieren. Auch hier spielt die Ausbildung eine essenzielle Rolle. Mainova hat als Ausbildungsbetrieb seit 2018 ein eigenes Nachwuchszentrum und bildet aktuell in 13 Berufen und acht dualen Studiengängen aus. Dabei unterscheiden wir drei Kategorien: gewerblich-technische Berufe bzw. ingenieurwissenschaftliche Studiengänge, IT-Ausbildungsberufe und -Studiengänge sowie kaufmännische Berufe und Studiengänge. Auf den gewerblich-technischen Bereich entfallen dabei rund 70 Prozent der Nachwuchskräfte. Die Ausbildung im eigenen Haus zu haben, ist für uns gleichbedeutend mit einer Investition in die Zukunft. Eine Investition, die dazu beiträgt, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und zu steigern.

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Präventionskultur entwickeln, Vision Zero realisieren. Wie geht das?

Moritz Nommsen

Sicherheits-Kultur, Vertrauens-Kultur, Fehler-Kultur, Präventions-Kultur, Feedback-Kultur, Unternehmens-Kultur usw. – Bindestrich-Kulturen sind modern. Was im Einzelnen unter „Kultur“ verstanden wird, ist aber eher diffus. Wird der Begriff „Kultur“ angewandt, erleichtert es die Verständigung, wenn seine Bedeutung kanalisiert ist. Sicherheits- und Gesundheitskultur wird häufig in einem Atemzug mit Präventionskultur genannt. Bezüglich der Semantik zeigt eine Abgrenzung zum Verständnis bei. Eine Möglichkeit, eine Vorstellung zu entwickeln besteht darin, ein Bild der Mengenlehre zu nutzen. Jedes Unternehmen hat allein durch seine Existenz eine Unternehmenskultur. Die Unternehmenskultur wird geprägt von den Zwängen, die von außen auf das Unternehmen einwirken, von der Unternehmensleitung und den Mitarbeitenden. Ein präventives Denken Entscheiden und Handeln ist darin in gewisser Weise immer bereits vorhanden (Präventionskultur). Die Präventionskultur ist in diesem Bild eine Teilmenge der Unternehmenskultur. Die Sicherheitskultur ist wiederum eine Teilmenge der Präventionskultur.

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Studien zur Verringerung der Wasserentnahme und des Wasserverbrauchs durch das GuD-Kraftwerk Martigues der EDF

Chandarith Luy

Der Standort des Gas- und Dampfturbinenkraftwerks (GuD) Martigues befindet sich im Süden Frankreichs in der Region Bouche du Rhône. Im Sommer schwankt die maximale Lufttemperatur in den heißesten Stunden des Tages zwischen 38–40 °C. Darüber hinaus ist diese Region klimatischen Risiken durch Trockenheit ausgesetzt. Als Reaktion auf die Gefahr der Wasserknappheit hat die Verwaltung die Industrie aufgefordert, die Wasserentnahme und den Verbrauch zu begrenzen und/oder zu reduzieren. Im Vorgriff auf künftige Regelungen hat sich das GuD-Kraftwerk Martigues verpflichtet, seinen Wasserverbrauch durch teilweise Wiederverwendung seiner Abwässer zu senken. Ziel der Studie ist es, den Wasserverbrauch am Standort um etwa 10 % zu senken. In diesem Artikel werden die Konfiguration der Anlage in Bezug auf die Wasserentnahme und den Verbrauch am Standort, die von der EDF angewandte Methodik, die im Rahmen des Projekts durchgeführten Arbeiten und die erzielten Ergebnisse zur Reduzierung der Wasserentnahme und des -verbrauchs vorgestellt.

Der Betrieb der sequenziellen GT36 Brennkammer mit Wasserstoff

G. Früchtel, C. Fleing, A. Ciani, D. Pennell und M. Düsing

Wenn keine geeigneten Maßnahmen getroffen werden, wird der Ausbau erneuerbarer Energien zur CO2-Reduktion das Stromnetz destabilisieren. Eine geeignete Möglichkeit zur Stabilisierung ist der Einsatz von Gasturbinen, die ganz oder teilweise mit Wasserstoff betrieben werden. Die Ansaldo Energia Gasturbine vom Typ GT36 ermöglicht die erforderliche Brennstoffflexibilität durch sequenzielle Verbrennung. Der Beitrag erläutert die Vorteile der GT36 Brennkammer, die flexibel im laufenden Betrieb an den Wasserstoffanteil angepasst werden kann. Im Rahmen des EU-geförderten Projekts Flex4H2 entwickelt Ansaldo Energia das Potenzial dieses Brennerkammertyps weiter. Besonderheiten der Wasserstoffverbrennung werden einleitend erläutert.

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In-situ Brennstoffanalyse

Marie Kaiser, Joos Brell, Mauritius Hiller und Wolfgang Spiegel

Brennstoffe, wie sie in Müll-, Ersatzbrennstoff- und Biomasseverbrennungsanlagen eingesetzt werden, zeichnen sich durch Heterogenität, komplexe chemische Zusammensetzungen und ggf. schwankende Stückigkeiten aus. Diese spezifischen Brennstoffeigenschaften führen zu Belastungen in den Anlagen, besonders in Bezug auf gegebene Komponenten und Werkstoffe. Die Das Konzept der In-situ Brennstoffanalyse zielt darauf ab, den gesamten Kessel als permanentes Verbrennungslabor zu nutzen, um verborgenen Prozesse und Eigenschaften in Bezug auf den Brennstoff-Input sichtbar zu machen. Die Methode beinhaltet die Generierung von Metadaten durch Bilanzierungen, Modellierungen und den spezifischen Einsatz von Sensor- und Sondentechnik. Dieses Vorgehen ist vorteilhaft und nützlich, denn erprobte Informationstechnologien und Sensor- und Sondentechniken steht dem Markt bereits zur Verfügung und können für diese Zwecke als stabile Prozesskomponenten eingesetzt werden.

Die Zukunft der Kernenergie: Erfolgsfaktoren für Spaltungs- und Fusionstechnologien, die der Welt helfen, Netto-Null-Emissionen zu erreichen

Rüdiger Koenig und John Warden, mit einem Expertengremium – „Nuclear Pathfinders“

Kernspaltung und Kernfusion versprechen einen vielversprechenden Beitrag zu den globalen Dekarbonisierungszielen, stellen aber schwierige Investitionsfälle dar. Entscheidungsträger müssen sich strategisch für eine bestimmte Technologie entscheiden und dabei ein erhebliches Programmrisiko in Kauf nehmen. In diesem Artikel stellen die Autoren eine Methode vor, mit der die Fortschritte der einzelnen Technologien im Hinblick auf die Erreichung der globalen Netto-Null-Emissions-Ziele bewertet und überwacht werden können: Das Modell verwendet eine Reihe von Kennzahlen, um die Eignung und die wirtschaftliche Tragfähigkeit der einzelnen Technologien im Laufe der Zeit zu vergleichen. Das Modell kann an spezifische programmatische Anforderungen angepasst werden, die über globale Netto-Null-Ziele hinausgehen.

Ein Überblick zu Kostenschätzungen für die Kohlenstoffabscheidung und -speicherung im Energiesektor

Qian Zhu

In dem Maße, in dem Länder den Übergang zu Netto-Null-Emissionen (NZE) anstreben, wächst die Nachfrage nach kohlenstoffarmen Alternativen zu fossilen Brennstoffen. Ammoniak könnte als Brennstoff eine Rolle bei der Dekarbonisierung verschiedener Sektoren spielen, darunter der Strom- und Wärmeerzeugung, der Land- und Seeverkehr und die verarbeitende Industrie. Ammoniak hat als sauberer Brennstoff mehrere Vorteile gegenüber z.B. Wasserstoff. Es hat in flüssiger Form eine höhere Energiedichte als Wasserstoff und kann mit Hilfe bestehender und neuer Infrastrukturen leicht verflüssigt, transportiert und gelagert werden. Ammoniak kann in Kesseln, Gasturbinen, Verbrennungsmotoren und Öfen verbrannt werden, um fossile Brennstoffe teilweise oder ganz zu ersetzen, ohne dass größere Änderungen am Prozess oder System erforderlich sind. Bei der Verbrennung wird kein CO2 freigesetzt.

Best practices und Technologien für kohlebefeuerte Kraftwerke in Indien

Sanjeev K. Kanchan und Lesley Sloss

Die Schadstoffemissionen aus der Kohleverbrennung in Energieversorgungsunternehmen lassen sich verringern, wenn die Anlage effizient und effektiv betrieben wird. Der Betrieb eines Kohlekraftwerks erfordert eine komplexe Technik. Es gibt jedoch grundlegende Richtlinien, die befolgt werden können und die aufzeigen, wo und wie bewährte Verfahren angewandt werden können. Dieser Bericht gibt einen Überblick über die Technologien und Techniken, die in Kohlekraftwerken in Indien in Betracht gezogen werden sollten, um sicherzustellen, dass es mit höchster Effizienz betrieben wird.

Review vgbe-Fachtagung „Dampfturbinen und Dampfturbinenbetrieb 2024“

vgbe energy

Rund 260 Teilnehmende und 37 Aussteller aus dem In- und Ausland sind der Einladung des vgbe Technischen Komitees „Dampfturbinen“ zur diesjährigen Dampfturbinen-Fachtagung nach Würzburg gefolgt. Unter dem Motto „Die Zukunft der Dampfturbine vor dem Hintergrund der Energiepolitik“ hat die Fachtagung einen Beitrag geleistet, die Herausforderungen der anstehenden Aufgaben für den Dampfturbinenbetrieb zu meistern.

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Event Report | vgbe-Infotag Kommunale und industrielle Strom- und Wärmeerzeugung

vgbe energy

Die Stadtwerke Münster und der vgbe energy haben Expertinnen und Experten der kommunalen und industriellen Wärme- und Stromerzeugung zum zweiten vgbe-Infotag in Münster begrüßt. Im Fokus dieser Veranstaltung standen die Transformation der Strom- und Wärmeerzeugung hin zu erneuerbaren Energien und der Austausch über die Kraftwerkstechnik. Zu diesen Themen und zur allgemeinen Information über die Verbandsarbeit des vgbe, die Aktivitäten und das Networking der vgbe Community hat ein breit aufgestelltes vgbe-Expertenteam die Teilnehmenden in Münster informiert, um einen umfangreichen Einblick zu vermitteln.

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Statistik: Weltweite Kohlenachfrage wird in 2025 weitgehend unverändert bleiben

International Energy Agency

Die Kohlemärkte stabilisieren sich nach den letzten Jahren der Unsicherheit, die durch die globale Energiekrise ausgelöst wurde. Kohle ist nach wie vor der weltweit wichtigste Energieträger für die Stromerzeugung, und die steigende Nachfrage nach Strom treibt die weltweite Nachfrage nach Kohle weiter an. Im aktuellen Kohlemarkt-Update, wird festgestellt, dass Kohlenachfrage, -angebot und -handelsvolumen im Jahr 2023 ein Allzeithoch erreicht haben. Kohle ist nach wie vor die größte Quelle für CO2-Emissionen, und obwohl Technologien zur Abscheidung, Nutzung und Speicherung von Kohlendioxid dazu beitragen können, die kohlebedingten CO2-Emissionen zu verringern, hat die fortgesetzte Nutzung von Kohle erhebliche Auswirkungen auf die Bemühungen zur Erreichung internationaler Energie- und Klimaziele.l

Editorial

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Martin Giehl

Vorstandsmitglied der Mainova AG
Frankfurt am Main, Deutschland
Vorsitzender des Aufsichtsrats der KWS Energy Knowledge eG
Essen, Deutschland

Ausbildung ist unverzichtbar

Liebe Leserinnen und Leser des vgbe energy journals,

die Energiewirtschaft ist das Rückgrat der Energiewende und sorgt dafür, die Lebensadern einer Region aufrecht zu erhalten. Gleichzeitig steht sie inmitten einer Vielzahl von Herausforderungen und befindet sich im Wandel. Der Umstieg auf erneuerbare Energien, die fortschreitende Digitalisierung und der Einsatz künstlicher Intelligenz verändern nicht nur Geschäftsmodelle und Kundenbedürfnisse. Sie verändern auch die Anforderungen an die Qualifikation von Mitarbeitenden in der Energiewirtschaft, insbesondere in der Erzeugung – und damit auch an die Ausbildung. Zukünftige Fachkräfte brauchen das entsprechende know-how, um mit den neuen Technologien umzugehen.

Darüber hinaus spüren wir heute schon die Auswirkungen des demografischen Wandels. Bis 2035 gehen beispielsweise mehr als 25 Prozent unserer Belegschaft in Rente. Deshalb stellen wir uns die Frage, wie wir das kompensieren. Auch hier spielt die Ausbildung eine essenzielle Rolle. Mainova hat als Ausbildungsbetrieb seit 2018 ein eigenes Nachwuchszentrum und bildet aktuell in 13 Berufen und acht dualen Studiengängen aus. Dabei unterscheiden wir drei Kategorien: gewerblich-technische Berufe bzw. ingenieurwissenschaftliche Studiengänge, IT-Ausbildungsberufe und -Studiengänge sowie kaufmännische Berufe und Studiengänge. Auf den gewerblich-technischen Bereich entfallen dabei rund 70 Prozent der Nachwuchskräfte. Die Ausbildung im eigenen Haus zu haben, ist für uns gleichbedeutend mit einer Investition in die Zukunft. Eine Investition, die dazu beiträgt, unsere Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und zu steigern. Deshalb haben wir beschlossen, bis 2027 die Zahl der Ausbildungsplätze auf jährlich insgesamt 100 Auszubildende und dual Studierende zu erhöhen. Sie schafft zudem Chancen für junge Menschen, die einen spannenden und sinnvollen Beruf erlernen wollen.

Heute haben Auszubildende mehr Möglichkeiten als je zuvor, sich über verschiedene Berufe zu informieren und zu orientieren. Eine moderne, praxisorientierte Ausbildung ist dabei nicht mehr nur ein Wunsch, sondern eine Erwartung. Gleichzeitig müssen Unternehmen heute mehr bieten als vor 20 Jahren, um Nachwuchskräfte zu gewinnen. Sie müssen sich als attraktive Arbeitgeber positionieren, die nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch Werte wie Anerkennung, Feedback und individuelle Förderung hochhalten. Denn die Generation Z sucht nach Ausbildungsplätzen, die ihnen neben dem Fachwissen auch persönliche Entwicklung und Freude an der Arbeit bieten. Mit unserem modernen Nachwuchszentrum und unseren erfahrenen Ausbilderinnen und Ausbildern bieten wir eine inspirierende und wertschätzende Lernumgebung. Wir sind überzeugt, nur so können wir hoch qualifizierte junge Menschen für uns gewinnen und langfristig binden. Schülerinnen und Schülern bieten wir unterschiedliche Möglichkeiten an, sich beruflich zu orientieren, etwa den „MainOrientierungstag“, an dem sie die technischen und IT-Ausbildungsberufe hautnah erleben können.

Digitalisierung und Globalisierung haben neue Wege für die Karriereplanung und Ausbildungsplatzgestaltung junger Mengen eröffnet. Die Globalisierung hat zudem die Türen für internationale Zusammenarbeit und Austauschprogramme geöffnet und so die berufliche Bildung bereichert und vielfältiger gemacht.

Ein weiterer Ansatz ist die Förderung von Teamarbeit und Problemlösungsfähigkeiten, die in der heutigen Arbeitswelt immer wichtiger werden. Darüber hinaus ziehen attraktive Karriereperspektiven und Weiterbildungsmöglichkeiten nach Abschluss der Ausbildung junge Talente an und binden sie langfristig an das Unternehmen. Ein positives und unterstützendes Ausbildungsumfeld, dass die persönliche und berufliche Entwicklung fördert, macht Ausbildungsprogramme in der Energiewirtschaft attraktiver. Darüber hinaus trägt es zur Bildung eines qualifizierten und engagierten Nachwuchses bei und stellt somit einen positiven gesamtgesellschaftlichen Beitrag dar.

Daher kommt der Zusammenarbeit mit anderen Akteuren eine große Bedeutung zu. Dies erfolgt durch eine Vernetzung mit Schulen, Kammern, Verbänden und Politik, um so gemeinsam die Rahmenbedingungen für eine erfolgreiche Ausbildung zu gestalten. Denn die Energiewirtschaft hat eine große Verantwortung und eine große Chance, wenn es um die Ausbildung geht.

Nur so kann die Energiewirtschaft ihrer besonderen Verantwortung gerecht werden und die Ausbildung ihrer Mitarbeiter sowie ihre Zukunft aktiv gestalten.