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Ausgabe 11-2025

Herausforderung Energiespeicher

Christopher Weßelmann

Die weiter wachsende Einspeisung fluktuierender erneuerbarer Energien sowie die Stilllegung flexibler Erzeugungskapazitäten verändern die Anforderungen an die Stromversorgung. Großtechnische Batteriespeicher entwickeln sich zu einem Flexibilitätsbaustein, um Lastspitzen abzufedern, Netzengpässe zu entschärfen und Systemdienstleistungen bereitzustellen. Ihre hohe Dynamik mit kurzen Reaktionszeiten und modulare Skalierbarkeit machen sie technisch attraktiv. Gleichzeitig stehen die industrielle Umsetzung und die systemische Integration vor erheblichen Herausforderungen. Diese müssen ausgeräumt werden, bevor Batteriespeicher im Gigawattmaßstab in breitem Umfang zur Verfügung stehen.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Betriebssicherheit und die Verfügbarkeit. Großspeicher sind elektrochemische Anlagen mit Risiken thermischer Instabilität, einzelnem oder mehrfach verbundenem Zellversagen und Kaskadeneffekten. Eine qualifizierte Auslegung erfordert intelligente Überwachungsarchitekturen, automatische Branddetektion, segmentierte Batteriemodule und definierte örtliche Trennkonzepte. Mit zunehmender Größe von Anlagen und Batterieparks steigen Komplexität und Anforderungen an Leit- und Schutztechnik. Die Alterung elektrochemischer Systeme ist zudem stark belastungsabhängig. Für wirtschaftliche Betriebszeiten von über 15 Jahren zu gewährleisten sind belastbare Alterungsmodelle, adaptive Energie-Management-Strategien und datenbasierte Zustandsanalysen unerlässlich.

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Energie- und Klimapolitik der Europäischen Union – es geht um die Wirtschaft

Hans-Wilhelm Schiffer und Brian Ricketts

Die Europäische Union (EU) steht an einem Scheideweg: Entweder verfolgt sie einseitig ihre Klimaziele und lässt sich wirtschaftlich vom Rest der Welt überholen, oder sie strebt einen differenzierteren Ansatz an, dessen oberstes Ziel eine globale CO2-Bepreisung ist. Die derzeitige Vielzahl unterschiedlicher Gesetze im Zusammenhang mit den Klimazielen der EU hat die Geschäftstätigkeit in Europa erheblich erschwert. Trotz weltweit führender Prozess- und Ingenieursunternehmen ist Europa für viele industrielle Aktivitäten nicht mehr der ideale Standort. Dieser Beitrag fasst die Richtlinien und Verordnungen zusammen, die zur Erreichung der Klimaziele der EU verabschiedet wurden, und schließt mit der offenen Frage, ob diese für die EU von Nutzen sind.

Kohärente und sichere Energiepolitik in Europa vor dem Hintergrund geänderter globaler Bedingungen – Perspektiven der Betreibergesellschaft InfraLeuna am Chemiestandort Leuna

Christof Günther

Europa und speziell Deutschland befinden sich in einer energiepolitisch problematischen Situation. Die sicher geglaubten Grundlagen der Energieversorgung – bezahlbar, planbar, verfügbar – sind in den letzten Jahren grundlegend erschüttert worden. Die chemische Industrie steht nicht nur am Anfang zahlloser industrieller Wertschöpfungsketten, sondern ist zugleich ein unverzichtbarer Wegbereiter für die Energiewende – etwa bei der Herstellung von Batteriematerialien oder Vorprodukten für die Wind- und Solarindustrie. Doch die Fähigkeit, diese Rolle wahrzunehmen, hängt zentral von einer stabilen, wettbewerbsfähigen und planbaren Energieversorgung ab. Der Chemiestandort Leuna in Sachsen-Anhalt ist der größte geschlossene Chemiestandort in Deutschland. Mit mehr als 100 ansässigen Unternehmen, 15.000 Beschäftigten und einer hochintegrierten Energie- und Stoffversorgung zählt er zur kritischen industriellen Infrastruktur Deutschlands. Hohe Strom- und Gaspreise im internationalen Vergleich sowie überbordende regulatorische Lasten belasten massiv Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit.

Namibischer Wasserstoff: Champagner oder Mineralwasser für das deutsche Energiesystem?

André D. Thess, Ralph-Uwe Dietrich, Yoga Rahmat und Moritz Raab

Der Import von Wasserstoff und seiner Derivate gilt neben der heimischen Wasserstoffproduktion als wesentlicher Baustein zur CO2-neutralen Versorgung Deutschlands mit chemischen Energieträgern. Namibias Tsau-Khaeb-Nationalpark gilt aufgrund seiner Produktionsvoraussetzungen als einer der Orte, der eine möglichst kostengünstige Importstrategie verspricht. Eine techno-ökonomische Analyse erlaubt die Berechnung der zu erwartenden Kosten für unterschiedliche Wasserstoffprodukte. Auf ihrer Basis wird es möglich, die langfristigen Herausforderungen für die deutsche Wasserstoffversorgung genauer abzuschätzen.

Stationäre Batteriespeicher in Deutschland: Marktentwicklung und Langzeitmessungen

Jan Figgener und Dirk Uwe Sauer

Die beschleunigte Integration erneuerbarer Energien stellt Energiesysteme vor neue Herausforderungen hinsichtlich Netzstabilität, Flexibilität und Versorgungssicherheit. Batteriespeicher gewinnen dabei zunehmend an Bedeutung, da sie die zeitliche Entkopplung von Erzeugung und Verbrauch ermöglichen und so einen zentralen Beitrag zur Dekarbonisierung des Energiesektors leisten. Die Politik benötigt verlässliche Marktzahlen zur Steuerung des Ausbaus. Für Industrie und Privatpersonen sind zudem die tatsächlichen Lebensdauern der Batteriespeichersysteme interessant, da diese über die Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit ihrer Investition entscheiden. Mit dem folgenden Beitrag liefern wir Erkenntnisse zu beiden Themen. Der Batteriespeichermarkt in Deutschland ist.

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Bewertung der Versorgungssicherheit in einem treibhausgasneutralen Stromsystem anhand von Kennzahlen aus Energiedaten

Jonas Kaftan und Roland Scharf

Eine nachhaltige Energieversorgung ist ein notwendiger Schritt, um den weltweit steigenden Energiebedarf langfristig zu decken und den menschengemachten Klimawandel einzudämmen. Viele Staaten haben sich daher zum Ziel gesetzt, innerhalb unterschiedlicher Zeitrahmen treibhausgasneutral zu werden. Die Europäische Union hat dieses Ziel für ihre Mitgliedstaaten auf das Jahr 2050 festgelegt, während Deutschland bereits bis 2045 treibhausgasneutral sein will. Insbesondere die Stromerzeugung aus witterungsabhängigen erneuerbaren Energieträgern steht vor der Herausforderung, nicht jederzeit bedarfsgerecht Strom bereitstellen zu können – im Gegensatz zu konventionellen Kraftwerken. Daher werden die Erzeugungsdaten genutzt, um die Versorgungssituation zu analysieren. Anschließend werden verschiedene Szenarien für die zukünftige Energieversorgung entwickelt und modelliert. Die Ergebnisse der Szenarioanalyse sollen aufzeigen, ob und unter welchen Bedingungen eine treibhausgasneutrale Energieversorgung möglich und umsetzbar ist.

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FLNG trägt aktiv zur Ausweitung der weltweiten LNG-Versorgung bei

GECF Gas Exporting Countries Forum

Erdgas nimmt weiterhin eine immer wichtigere Position im globalen Energiemix ein, unterstützt die sozioökonomische Entwicklung weltweit und leistet einen bedeutenden Beitrag zur Erreichung der Ziele für nachhaltige Entwicklung. In den letzten zehn Jahren hat Erdgas mit fast einem Drittel zum Gesamtanstieg der weltweiten Primärenergieversorgung am meisten beigetragen. Die globale LNG-Industrie, die historisch auf großen Onshore-Verflüssigungs- und Wiedervergasungsanlagen basiert, befindet sich mit dem raschen Aufkommen von schwimmenden Lösungen wie Floating LNG (FLNG) und Floating Storage and Regasification Units (FSRUs) in einem tiefgreifenden Wandel. Während Onshore-Anlagen nach wie vor das Rückgrat des Sektors bilden und große Kapazitäten für den Export und Import von Gas sowie starke Skaleneffekte bieten, entwickeln sich schwimmende Lösungen zu einer ergänzenden und zunehmend strategischen Komponente des LNG-Sektors.

Tagungsbericht: 57. Kraftwerkstechnisches Kolloquium

Sandra Leik

Das 57. Kraftwerkstechnische Kolloquium (KWTK) fand am 07. und 08. Oktober 2025 im Internationalen Congress Center Dresden statt. Wie schon in den vergangenen Jahren wurde die Veranstaltung als hybrides Format durchgeführt. Insgesamt nahmen 981 Gäste vor Ort und 10 weitere online teil. Das Kolloquium umfasste eine Plenarsitzung, eine Podiumsdiskussion, 91 Fachvorträge renommierter Referentinnen und Referenten sowie eine vollständig ausgebuchte Firmenausstellung mit 105 Ausstellern. Damit bot die Tagung erneut eine zentrale Plattform für den fachlichen Austausch zwischen Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie, Wissenschaft und Politik zu aktuellen Fragen der Kraftwerkstechnik und Energieversorgung. Das nächste Kraftwerkstechnische Kolloquium ist für den 7. und 8. Oktober 2026 geplant.

Review vgbe-Chemiekonferenz 2025

vgbe energy

150 Teilnehmende, 17 Nationen, 23 Beiträge, 21 Aussteller und 3 Sponsoren – so lässt sich die diesjährige Chemiekonferenz in Kurzform zusammenfassen, doch das vielseitige Programm und der intensive Austausch boten viel mehr, als die Zahlen vermuten lassen. Bereits zum 61. Mal traf sich die vgbe-Chemie Community, um aktuelle Herausforderungen zu diskutieren und gemeinsam den Blick in die Zukunft zu richten.

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Review 3. vgbe-Infotag: Kommunale und industrielle Strom- und Wärmeerzeugung

vgbe energy

Stadtwerke leisten einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende. Sie versorgen Millionen Haushalte und Unternehmen zuverlässig mit Strom, Wärme und Wasser, sichern die dezentrale Energieversorgung und tragen maßgeblich zur Versorgungssicherheit bei. Dank ihrer Nähe zu Kundinnen und Kunden sowie zum lokalen Netz, lassen sich Innovationen, neue Geschäftsmodelle und Beteiligungsformate häufig besonders effizient umsetzen, von der Förderung erneuerbarer Energien über das Erreichen lokaler, nationaler und europäischer Klimaziele bis hin zur Umstellung auf klimaneutrale Technologien.

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Review vgbe-Fachtagung „Kühlsysteme 2025“

vgbe energy

Kühlsysteme führen die Abwärme industrieller Prozesse und von Energieanlagen an die Umgebung ab. Dabei kommen unterschiedlichste Bauarten der Rückkühler zum Einsatz: von kleinen Luftkühlern mit Ventilator bis zu Naturzugnasskühltürmen. Die Auswahl des optimalen Kühlsystems erfordert schon bei der Anlagenplanung eine sorgfältige Abwägung ökonomischer und ökologischer Faktoren unter Betrachtung des gesamten Prozesses unter allen Betriebsbedingungen. Gleiches gilt für einen effizienten Betrieb und die regelmäßige Wartung. Diese komplexen Themen standen im Mittelpunkt der diesjährigen vgbe-Fachtagung „Kühlsysteme 2025“. Rund 90 Teilnehmende nutzten die Gelegenheit, sich in vier thematisch gegliederten Sektionen über aktuelle Trends und Herausforderungen auszutauschen.

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Editorial

Wess2000

Christopher Weßelmann

Chefredakteur vgbe energy

Herausforderung Energiespeicher

Liebe Leserinnen und Leser,

die weiter wachsende Einspeisung fluktuierender erneuerbarer Energien sowie die Stilllegung flexibler Erzeugungskapazitäten verändern die Anforderungen an die Stromversorgung. Großtechnische Batteriespeicher entwickeln sich zu einem Flexibilitätsbaustein, um Lastspitzen abzufedern, Netzengpässe zu entschärfen und Systemdienstleistungen bereitzustellen. Ihre hohe Dynamik mit kurzen Reaktionszeiten und modulare Skalierbarkeit machen sie technisch attraktiv. Gleichzeitig stehen die industrielle Umsetzung und die systemische Integration vor erheblichen Herausforderungen. Diese müssen ausgeräumt werden, bevor Batteriespeicher im Gigawattmaßstab in breitem Umfang zur Verfügung stehen.

Im Mittelpunkt stehen dabei die Betriebssicherheit und die Verfügbarkeit. Großspeicher sind elektrochemische Anlagen mit Risiken thermischer Instabilität, einzelnem oder mehrfach verbundenem Zellversagen und Kaskadeneffekten. Eine qualifizierte Auslegung erfordert intelligente Überwachungsarchitekturen, automatische Branddetektion, segmentierte Batteriemodule und definierte örtliche Trennkonzepte. Mit zunehmender Größe von Anlagen und Batterieparks steigen Komplexität und Anforderungen an Leit- und Schutztechnik. Die Alterung elektrochemischer Systeme ist zudem stark belastungsabhängig. Für wirtschaftliche Betriebszeiten von über 15 Jahren zu gewährleisten sind belastbare Alterungsmodelle, adaptive Energie-Management-Strategien und datenbasierte Zustandsanalysen unerlässlich.

Parallel dazu rückt die Cybersicherheit in den Vordergrund. Batteriespeicher sind tief in vernetzte IT- und OT-Systeme eingebunden. Steuerung, Monitoring, Prognosen und marktseitige Optimierung erfolgen häufig über cloudbasierte Plattformen. Angriffe auf Kommunikation, Daten oder Regelalgorithmen könnten Verfügbarkeit und Netzstabilität unmittelbar beeinträchtigen. Benötigt werden deshalb cyberresiliente Systemdesigns mit segmentierten Netzwerken, Zero-Trust-Prinzipien, kontinuierlicher Überwachung und Notfallplänen, die sowohl Einzelanlagen als auch Verbundsysteme berücksichtigen. Das Thema Cybersicherheit muss bereits in der Planungsphase adressiert und in Zertifizierungsprozesse integriert werden.

Eine weitere technische Herausforderung besteht in der Interaktion mit dem Stromversorgungssystem. Batteriespeicher müssen Frequenz- und Spannungsstützung zuverlässig bereitstellen und perspektivisch Aufgaben übernehmen, die bislang konventionelle Kraftwerke ausführen, etwa Momentanreserve oder Schwarzstartfähigkeit. Hierzu bedarf es weiterentwickelter Leistungselektronik, abgestimmter Regelparameter und standardisierter Schnittstellen. Unterschiedliche Zellchemien, Batterie-Management-Architekturen und proprietäre Softwaresysteme erschweren heute Interoperabilität und Skalierung. Normung, Teststandards und transparente Leistungskennzahlen bilden deshalb mit einen Hebel.

Die Versorgung mit Rohstoffen bleibt ein strategisches Thema. Lithium, Nickel und Kobalt unterliegen volatilen Märkten und geopolitischen Risiken. Recycling, Second-Life-Konzepte und alternative Materialien gewinnen daher an Bedeutung. Gleichzeitig führen regulatorische Unsicherheit in Bezug auf Doppelnutzung, Abgaben oder Abgrenzung zu Erzeugung und Verbrauch zu Investitionshemmnissen. Ein konsistentes Marktdesign mit klaren Rollen, netzdienlicher Vergütung und verbindlichen Sicherheitsanforderungen würde Planungs- und Betriebssicherheit schaffen.

Trotz dieser Herausforderungen sind großtechnische Batteriespeicher unverzichtbar, um Stromsysteme mit einem hohen Anteil erneuerbarer Energien stabil zu betreiben. Entscheidend wird sein, technische Risiken, systemische Anforderungen und die zunehmende Bedrohungslage im Cyberraum durch robuste Engineering-Ansätze, digitale Schutzmechanismen und standardisierte Prozesse zu beherrschen. Die Branche arbeitet daran, Speichertechnologien von Pilotprojekten zu verlässlichen Komponenten kritischer Infrastruktur weiterzuentwickeln und somit die Versorgungssicherheit im transformierten Energiesystem langfristig zu stärken.