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Review vgbe-Workshop „Flue Gas Cleaning 2026“

Die Rauchgasreinigung ist und bleibt ein Kernthema der Energietechnik. Trotz des steigenden Anteils erneuerbarer Energien – rund 48 % im EU-Strommix im Jahr 2025 – wurden weiterhin etwa 29 % der Stromerzeugung in der EU durch fossile Energieträger gedeckt.
Rauchgasreinigung – weiterhin ein zentrales Thema der Stromerzeugung

Die Rauchgasreinigung ist und bleibt ein Kernthema der Energietechnik. Trotz des steigenden Anteils erneuerbarer Energien – rund 48 % im EU-Strommix im Jahr 2025 – wurden weiterhin etwa 29 % der Stromerzeugung in der EU durch fossile Energieträger gedeckt. Global liegt dieser Anteil mit rund 57 % sogar deutlich höher, während kohlenstoffarme Technologien (erneuerbare Energien, Wasserkraft und Kernenergie) etwa 43 % der Stromproduktion in 2025 ausgemacht haben.

Vor diesem Hintergrund ist die effiziente und zuverlässige Abscheidung von Schadstoffen aus Rauchgasen unverzichtbar, um gesetzliche Grenzwerte einzuhalten und die internationalen Klimaziele zu erreichen. Im Fokus stehen weiterhin klassische Schadstoffe wie Schwefeldioxid (SO₂), Stickoxide (NOₓ) und Staub, zunehmend jedoch auch Kohlendioxid (CO₂) sowie Spurenschadstoffe wie Quecksilber.

Darüber hinaus rücken weitere klimarelevante Gase wie Methan (CH₄), Lachgas (N₂O) und fluorierte Gase (F-Gase) stärker in den Fokus. Entsprechend des Pariser Klimaabkommens, ist in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts ein Gleichgewicht zwischen anthropogenen Emissionen und deren Abbau durch natürliche oder technische Senken zu erreichen (Netto-Null-Ziel). Daraus ergibt sich ein erheblicher Handlungsdruck auf Betreiber thermischer Anlagen und die Weiterentwicklung entsprechender Technologien, da trotz des massiven Ausbaus der Erneuerbaren weiterhin disponible Erzeugung im Energiesystem verfügbar sein muss und somit fossile Brennstoffe auch in Zukunft zum Einsatz kommen werden.

Der vgbe-Fachausschuss „Chemistry & Emission Control“ beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit diesen Fragestellungen und fördert den internationalen Erfahrungsaustausch. Vor diesem Hintergrund fand der „Flue Gas Cleaning Workshop 2026“ mit rund 40 Teilnehmenden aus unterschiedlichen europäischen Ländern in Lyon statt.

Technische Schwerpunkte des Workshops
Im Workshop wurden drei zentrale Themenfelder der modernen Rauchgasreinigung behandelt:
NOx-Reduktion

Die Minderung von Stickoxiden in Kraftwerken und Abfallverbrennungsanlagen erfolgt weiterhin primär über selektive katalytische Reduktion (SCR) sowie selektive nicht-katalytische Reduktion (SNCR).

Die Beiträge zur SCR-Technologie konzentrierten sich insbesondere auf:

  • Praxiserfahrungen zur Katalysatorregeneration und deren Einfluss auf Aktivität und Lebensdauer
  • Beschaffungsstrategien für Katalysatoren sowie typische Risiken in Ausschreibung und Qualitätssicherung

Im Bereich SNCR wurde der aktuelle Stand der Technik vorgestellt, einschließlich Optimierungsansätzen hinsichtlich des Einsatzes von Reduktionsmitteln, Temperaturfenster und Emissionsminderung.

Abscheidung saurer Komponenten, Partikel und Schwermetalle

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Optimierung bestehender Rauchgasreinigungssysteme. Diskutiert wurden unter anderem:

  • Betriebs- und Regelungsstrategien für Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA)
  • Effizienzsteigerungen und Modernisierung von Elektrofiltern (E-Filter)
  • Praxiserfahrungen aus der umfassenden Sanierung eines bestehenden E-Filters

Besondere Aufmerksamkeit erhielten moderne halb-trockene Verfahren, die durch hohe Abscheidegrade bei gleichzeitig reduzierten Betriebskosten überzeugen.

Darüber hinaus wurden aktuelle Ergebnisse zur Quecksilberabscheidung in Braunkohlekraftwerken vorgestellt, einschließlich Messmethoden und Optimierungsmaßnahmen.

Kohlenstoffabscheidung (CCS)

Im Bereich der CO₂-Abscheidung wurden sowohl Anlagenkonzepte als auch deren Integration in bestehende Kraftwerksprozesse beleuchtet. Deutlich wurde:

  • Eine hochwertige Vorreinigung des Rauchgases ist entscheidend, um Lösungsmitteldegradation und Betriebskosten von CO₂-Abscheideanlagen zu minimieren
  • Kombinationen aus Rauchgasreinigung und Wärmerückgewinnung bieten zusätzliches Effizienzpotenzial

Darüber hinaus wurden neue Entwicklungen bei der Analyse und Überwachung von Spurenelementen im CO₂-Produktstrom vorgestellt, die für Transport, Speicherung und Nutzung von Bedeutung sind.

Diskussion und Ausblick

Im Anschluss an die Fachvorträge wurden zwei zentrale Fragestellungen intensiv diskutiert:

  • Umsetzung der Industrieemissionsrichtlinie (IED 2.0)
    Die Teilnehmenden diskutierten die praktischen Auswirkungen der verschärften Anforderungen. Insbesondere wurde hervorgehoben, dass künftig die strengeren BAT-AEL-Werte in allen EU-Mitgliedstaaten verbindlich angewendet werden sollen. Für zahlreiche Bestandsanlagen stellt dies eine erhebliche technische und wirtschaftliche Herausforderung dar.
  • Marktentwicklung für CO₂-Abscheidungstechnologien
    Die Einschätzungen zum zukünftigen CCS-Markt waren differenziert. Einerseits besteht Unsicherheit hinsichtlich regulatorischer Rahmenbedingungen und Investitionsanreize. Andererseits wurde CCS als unverzichtbare Schlüsseltechnologie zur Erreichung der Klimaziele bewertet.

Als besonders geeignet gelten Anlagen mit hoher Auslastung und kontinuierlichem Betrieb. Kritisch wurde angemerkt, dass industrielle CO₂-Quellen mit hoher Reinheit bislang nur begrenzt genutzt werden. Letztlich wurde betont, dass die Marktentwicklung maßgeblich von politischen Entscheidungen und den gesetzten Rahmenbedingungen abhängen wird.

Fazit
Der Workshop hat deutlich gezeigt, dass die Rauchgasreinigung auch im Kontext der Energiewende eine zentrale Rolle spielt. Neben der kontinuierlichen Optimierung etablierter Technologien gewinnen integrierte Ansätze und neue Verfahren – insbesondere im Bereich CO₂-Abscheidung – zunehmend an Bedeutung.
Networking
Neben den fachlichen Vorträgen und den intensiven Diskussionen gab es auch dieses Mal wieder ausgezeichnete Möglichkeiten zum Networking. Beim gemeinsamen Abendessen am ersten Veranstaltungstag sowie der beeindruckenden Stadtbesichtigung im Anschluss an den Workshop wurden bestehende Kontakte vertieft und neue Gemeinsamkeiten ermittelt.

Das interessante Side-Programm konnte dank des großzügigen Sponsorings durch LAB realisiert werden.

Das vgbe-Workshop-Team bedankt sich bei allen Vortragenden für ihre interessanten und praxisnahen Beiträge, bei allen Teilnehmenden für ihre wertvollen Diskussionsbeiträge und aktive Mitwirkung sowie bei unserem Sponsor LAB für den perfekt gesetzten Rahmen für wertvolles Networking.

Der nächste Flue Gas Cleaning Workshop findet 2027 statt. Ort und Termin werden rechtzeitig über die üblichen Kanäle bekannt gegeben (vgbe-Eventkalender und LinkedIn ).