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Review der vgbe-Fachtagung KELI 2026 – Konferenz Elektro-, Leit- und Informationstechnik in der Energieversorgung

Die Themenlage der KELI 2026 hätte aktueller und spannender kaum sein können.
Wie reagieren wir auf digitale und physische Angriffe auf kritische Infrastruktur? Wann kommt der nächste Blackout? Welche Rolle spielen Drohnen, geopolitische Einflüsse oder KI-Anwendungen? Und was können wir voneinander hinsichtlich IT-/OT-Sicherheit und Elektrotechnik in Energieanlagen lernen? Eins war klar: Die Themenlage der KELI 2026 hätte aktueller und spannender kaum sein können. Fast 50 Rednerinnen und Redner hielten 40 Vorträge, verteilt auf elf thematisch untergliederte Sektionen. Dabei war die KELI-Community so groß wie lange nicht: 250 Teilnehmer machten sich vor Pfingsten auf den Weg nach Mannheim, in den großen Saal mit den violetten Säulen – absolut passend zum Branding der KELI.
Bereits die Eröffnungsrede von vgbe-Geschäftsführer Dr. Oliver Then machte deutlich vor welchen Herausforderungen die Branche derzeit steht. Mit Blick auf den beschlossenen Kohleausstieg, das neue Kraftwerksstrategie­gesetz und die Diskussion um neue Gaskraft­werks­kapazitäten sprach Then offen über die Notwendigkeit verbindlicher politischer Zusagen für Investitionen in flexible Gaskraftwerks­leistung. Dabei sorgte er mit trockenem Humor mehrfach Erheiterung im Publikum – etwa mit dem Kommentar, dass „was lange währt, nicht automatisch gut wird“.
Dr. Oliver Then
Gleichzeitig machte Then deutlich, wie ernst die Lage eingeschätzt wird: Versorgungssicherheit, Systemstabilität und wirtschaftliche Belastungen beschäftigen die vgbe-Mitgliedsunternehmen nach wie vor. Ebenso eingängig, jedoch rhetorisch nichts für schwache Nerven war der Plenarvortrag von RWE-IT-Koryphäe Andreas Jambor zur neuen Bedrohungslage kritischer Infrastrukturen. Seine zentrale Botschaft: Angriffe auf Energieanlagen sind längst nicht mehr nur hypothetische Szenarien. Physische Sabotage, Ausspähversuche, hybride Angriffe und Drohnen entwickeln sich zunehmend zu realen Gefahren für Betreiber kritischer Infrastruktur. Ebenso geopolitische Konflikte, Spannungen auf den Weltmärkten und auch der Abfluss von Know-how üben laut Jambor Einfluss auf mögliche Bedrohungsszenarien. Intensiv ging er auf neue EU-Regulierungen, NIS2-Richtlinien, KRITIS-Vorgaben und deren Bedeutung für Anlagenbetreiber ein. Nicht die Frage, ob ein Angriff stattfindet, sondern wann, stehe heute im Mittelpunkt vieler Sicherheitskonzepte. Es beträfe jeden einzelnen im Publikum, nicht nur die Unternehmen, nicht nur Krankenhäuser oder das öffentliche Leben, sondern auch die Einzelperson im Privathaushalt – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der großflächigen Blackouts in Spanien und Portugal 2025 und jenem in Teilen Berlins Anfang 2026.
Exkursionen am Vortrag der KELI kommen bei Teilnehmern sehr gut an
Wie konkret die Energiewende inzwischen in industriellen Projekten umgesetzt wird, zeigte unter anderem der Vortrag zur Großwärmepumpe der MVV in Mannheim. Dort wird Wärmeenergie direkt aus dem Fluss gewonnen und mittels Wärmepumpentechnologie für Fernwärme nutzbar gemacht. Die Teilnehmenden konnten die Anlage bereits am ersten Konferenztag im Rahmen einer technischen Besichtigung vor Ort kennenlernen. Ebenfalls auf großes Interesse stieß die exklusive Führung über den ABB Campus Mannheim, bei der insbesondere das Automation Forum mit seinen modernen Automatisierungs- und Digitalisierungslösungen beeindruckte. Überhaupt war ABB auf der gesamten Veranstaltung allgegenwärtig – sowohl mit zahlreichen Fachvorträgen als auch in der Ausstellung selbst. Kein Wunder: Mannheim zählt zu den wichtigsten deutschen Standorten des Konzerns. Großen Raum nahm außerdem das Thema Cyber Security und OT-Sicherheit ein. In mehreren Vorträgen wurde deutlich, dass Sicherheitsvorfälle heute als unvermeidbar gelten. Entscheidend sei deshalb die Fähigkeit, auch im Krisenfall handlungsfähig zu bleiben. Vorgestellt wurden unter anderem pragmatische Angriffserkennungssysteme, CO-managed SOC-Konzepte, Recovery-Prozesse und OT-Notfallübungen. Besonders eindrucksvoll war ein Szenario, bei dem mehrere Standorte gleichzeitig betroffen waren und zunächst keinerlei gegenseitige Informationen hatten – ein realistisches Krisenszenario, das vielen Teilnehmenden sichtbar nachging.
Fachaussteller Siemens Energy punktet mit kulinarischem Überraschungsgast

Neben den Fachvorträgen spielte auch die Ausstellung eine zentrale Rolle der Konferenz. Da sämtliche Pausen bewusst direkt im Ausstellungsbereich stattfanden, herrschte an den Ständen praktisch durchgehend reger Betrieb. Hersteller, Dienstleister und Betreiber nutzten die Gelegenheit intensiv für Gespräche über neue Projekte, Technologien und Herausforderungen der Branche. Die Aussteller zeigten sich entsprechend zufrieden mit der Resonanz. Für das wohl ungewöhnlichste Highlight der Ausstellung sorgte allerdings ein nostalgischer Eiswagen am Stand von Siemens Energy. Dort servierte persönlich der Erfinder des Spaghetti-Eises, Dario Fontanella, seine berühmte Kreation an die Teilnehmenden. Viele der rund 250 Gäste standen zeitweise Schlange für das in Deutschland erfundene Dessert, das in Italien selbst weitgehend unbekannt ist. Die Abendveranstaltung im Bootshaus am Mannheimer Rheinufer bot schließlich den idealen Ausgleich für zwei intensive Konferenztage. Beim gemeinsamen Spaziergang entlang des Neckars und später bei gutem Essen und langen Gesprächen wurde bis spät in den Abend weiterdiskutiert – über Netzstabilität, Wasserstoff, KI, Regulierungen, Blackout-Szenarien und die Zukunft der Energieversorgung.

Alle Informationen zur Veranstaltung, den Ausstellern und den Vorträgen im Programm finden Sie hier.