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Review vgbe-Fachtagung „Dampfturbinen und Dampfturbinenbetrieb 2026“

Rund 200 Teilnehmende aus dem In- und Ausland sind nach Dresden gekommen, um sich über die neuesten Trends zu informieren und in der stark vernetzten vgbe-Dampfturbinen-Community auszutauschen.

Die Rolle der Dampfturbine im Energiesystem der Zukunft

Die mit der Energiewende einhergehende Dekarbonisierung des Energiesystems könnte zu der Schlussfolgerung führen, dass die Bedeutung der Dampfturbine abnimmt. Dass diese Annahme nicht zutrifft, wurde erneut auf der im zweijährigen Rhythmus stattfindenden vgbe-Fachtagung „Dampfturbinen und Dampfturbinenbetrieb“ deutlich. Rund 200 Teilnehmende aus dem In- und Ausland sind nach Dresden gekommen, um sich über die neuesten Trends zu informieren und in der stark vernetzten vgbe-Dampfturbinen-Community auszutauschen.

Der Einsatzbereich der Dampfturbine wandelt sich zunehmend: von der klassischen Großkraftwerkstechnologie hin zu einem zentralen Baustein für Effizienzsteigerung, Sektorkopplung und Abwärmenutzung. In einem von den Erneuerbaren dominierten Energiesystem mit wachsendem Anteil an Wind- und Solarenergie wird die Dampfturbine künftig weniger im Grundlastbetrieb, dafür aber verstärkt zur Bereitstellung disponibler Leistung eingesetzt. Damit bleibt die Dampfturbine technisch relevant, auch wenn der Anteil fossiler Energieträger langfristig zurückgehen wird.

Bereits in der Eröffnungsrede wurde dies prägnant formuliert:
„Die Dampfturbine gehört noch nicht zum ‚alten Eisen‘, sondern ist vielmehr eine Schlüsseltechnologie, wenn Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Klimaziele in Einklang gebracht werden sollen.“

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Thematische Schwerpunkte der Fachtagung

Im Fokus der Veranstaltung standen insbesondere folgende Themenfelder:

    • Anpassung der Bestandsflotten
    • Herausforderungen für den Betrieb
    • Umgang mit Befunden
    • Instandhaltungsstrategien bei Dampfturbinen

Die Themen „Anpassung der Bestandsflotten“ und „Herausforderungen für den Betrieb“ lassen sich unter dem Leitmotiv „Dampfturbinen im Wandel des Betriebsregimes“ zusammenfassen.

Wandel des Betriebsregime

Die Volatilität von Wind- und Solarenergie wirkt sich unmittelbar auf die Fahrweise von Dampfturbinen aus. Die Folgen sind:

    • häufige Starts
    • schnelle Lastwechsel
    • Betrieb im Teillastbereich
    • kurze Stillstandszeiten

Damit werden die ursprünglichen Auslegungsbedingungen zunehmend verlassen. Dennoch erreichen die Anlagen weiterhin sehr hohe Verfügbarkeitsraten. Gezielte Anpassungen sind erforderlich, damit diese positiven Ergebnisse auch unter veränderten Rahmenbedingungen beibehalten werden können.

In verschiedenen Beiträgen wurden hierzu Retrofit-Maßnahmen, Umbaukonzepte, Modernisierungen sowie Ansätze zur energetischen Optimierung vorgestellt.

Instandhaltung und Condition Monitoring

Im Bereich der Instandhaltung rückt die zustandsorientierte Wartung (Condition-based Maintenance) weiter in den Fokus. Vorgestellt wurden:

    • langjährige Erfahrungen mit Condition-Monitoring-Systemen
    • ein Tool zur Kombination physikalisch basierter Diagnosemethoden mit datengetriebener Fehlererkennung

Darüber hinaus wurden in der Praxis bewährte Risikominderungsmaßnahmen für Kriechermüdungsrisse in Dampfturbinenrotoren präsentiert.

Beitrag zur Netzstabilität

Neben der flexiblen Einspeisung, leisten Dampfturbinen einen wichtigen netzdienlichen Beitrag. Vor diesem Hintergrund könnten künftig zusätzliche Anforderungen seitens der Netzbetreiber entstehen. Ein Vortrag zeigte exemplarisch, welchen Beitrag Dampfturbinen zur Systemstabilität bei Überfrequenz leisten können, insbesondere durch die Vermeidung ungeplanter Abschaltungen.

Schadensbilder und Betriebserfahrungen

Die Bandbreite möglicher Schäden wurde anhand mehrerer Praxisberichte verdeutlicht, unter anderem zu:

    • globalen Großschäden an Dampfturbosätzen infolge des Versagens von Schutz- und Notfallsystemen
    • Rissbildungen an Endstufenschaufeln

Diese Beiträge unterstrichen die Bedeutung der systematischen Zustandsüberwachung und von präventiven Maßnahmen.

Austausch und Networking

Die Themen-Cafés haben erneut wesentlich zum praxisnahen und intensiven fachlichen Austausch beigetragen. In Diskussionsrunden zu Themen wie „Instandhaltung und Revisionsplanung“ sowie in einem englischsprachigen Format „Best Practices“ wurden Erfahrungen geteilt, neue Erkenntnisse gewonnen und Kontakte geknüpft.

Technologische Weiterentwicklungen

Im abschließenden Beitrag wurde betont, dass die physikalischen Grundlagen der Dampfturbine grundsätzlich technologieoffen sind. Vorgestellt wurde die Entwicklung einer Reaktionsturbine für den Organic Rankine Cycle (ORC) zur effizienten Nutzung von Niedertemperatur-Abwärme.

Die Weiterentwicklung dieser Technologie wird mit Spannung weiterverfolgt; es wird erwartet, dass neueste Ergebnisse auf der nächsten Fachtagung präsentiert werden.

Fachausstellung und Rahmenprogramm

Begleitend zur Tagung fand eine Fachausstellung mit 38 Ausstellern statt, die Produkte und Dienstleistungen rund um die Dampfturbine präsentierten. Das Vortragsprogramm wurde durch ausreichende Pausen ergänzt, die intensiv für Fachgespräche und den Besuch der Ausstellung genutzt wurden.

Dank und Ausblick

Das gesamte vgbe-Team dankt allen Vortragenden, Teilnehmenden und Ausstellern für ihre fachlich fundierten Beiträge, die konstruktiven Diskussionen und die präsentierten Innovationen. Durch diese aktive Beteilung und die Diskussionen wurde auch die Dampfturbinentagung 2026 wieder ein voller Erfolg.

Die nächste Fachtagung „Dampfturbinen und Dampfturbinenbetrieb“ wird turnusgemäß im Jahr 2028 stattfinden. Ort, Zeit und Programm werden rechtzeitig auf dem vgbe-Veranstaltungsportal und im vgbe energy journal bekannt gegeben.