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Ausgabe 7-2026

BECCUS – Beiträge und Erfolgsbedingungen der Energiewirtschaft für eine nachhaltige Kohlenstoffwirtschaft

Dr.-Ing. Tobias Neumann und Ferdinand Steffen

Die Transformation der Stromerzeugung ist und bleibt eine riesige Herausforderung für europäische Energieversorgungsunternehmen (EVU). Erneuerbare Energien – Wind- und Solarenergie – bilden inzwischen das Rückgrat vieler Erzeugungsportfolios. Flankiert wird dieser Wandel durch einen zunehmenden Fokus auf flexible, gesicherte Stromerzeugung und Energiespeichertechnologien, die die Versorgungssicherheit gewährleisten sollen.

Für Energieversorger wie RWE gilt: Durch den bevorstehenden Ausstieg aus der Kohleverstromung ergibt sich keine Notwendigkeit mehr, CO2-Wäschen an Kohlekraftwerken nachzurüsten. Ob neue Gaskraftwerke (GuD-Anlagen) mittelfristig durch die Abscheidung von CO2 oder durch den Einsatz von H2 fit für die Zukunft gemacht werden, hängt von der Auslastung der Anlagen, der Regulatorik und der Entwicklung der Preise für Erdgas, Wasserstoff und auch CO2 ab. Die aktuelle Regulierung bietet derzeit auch keine Anreize, CO2 aus biogenen Punktquellen wie Biomasse-, Klärschlamm- oder Müllverbrennungsanlagen abzuscheiden, zu nutzen oder zu speichern – „Bio-Energy Carbon Capture Utilisation & Storage (BECCUS)“ ist nicht verpflichtend!

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Negative CO2-Emissionen – Auf der Reise von kohlegefeuerten Kraftwerken zu Bioenergie mit CO2-Abscheidung und -Speicherung (BECCS)

Tobias Neumann, Marcus Kleuters und Michael Schütz

RWE hat sich den Klimazielen verpflichtet und hat seit 2018 seine CO2-Emissionen aus der Stromerzeugung halbiert. Das Beispiel der Niederlande zeigt, dass mit der aktuellen Strategie das Emissionsminderungsziel nicht erreichbar ist; es kann aber durch negative CO2-Emissionen ausgeglichen werden, so mit der sogenannten BECCS-Technologie (Bioenergy with Carbon Capture and Storage). In diesem Beitrag wird der Stand der Brennstoffumstellung zusammengefasst. Darüber hinaus wird ein Überblick über die Auslegung des CO2-Abscheidungsprozesses gegeben. Abschließend werden bestehende Herausforderungen identifiziert und Perspektiven für zukünftige Optimierungen aufgezeigt.

CO2-Abscheidung aus Abgasen von Abfallverbrennungsanlagen

Felix Müller, Eun Sun Park und Stefan Vodegel

Angesichts absehbar steigender Preise für zu erwerbende CO2-Zerfikitate, die auch Betreiber von Müllverbrennungsanlagen zahlen müssen, kann es für die Betreiber interessant werden, das bei der Verbrennung von Abfall entstehende CO2 abzuscheiden und anschließend günstigenfalls zu nutzen oder alternativ einzulagern. Im Rahmen des Vorhabens DrACO2 führte das CUTEC Forschungszentrum der TU Clausthal experimentelle Untersuchungen zur Stabilität des bei der Aminwäsche etablierten Lösungsmittels Monoethanolamin (MEA) durch.

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CO2-Abscheidung hinter Abfallverbrennungsanlagen – Kann man am Umweltschutz Geld verdienen?

Stefan Vodegel

Seit 2024 müssen Betreiber von Abfallverbrennungsanlagen für CO2-Emission zahlen. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen ändern sich in den nächsten Jahren, die Tendenz der Preissteigerung wird bleiben. Interessant zu wissen wäre, ob und falls ja, unter welchen Bedingungen Betreiber die CO2-Abscheidung und -verwertung kommerziell gestalten könnten. Im Beitrag wird daher mittels einer dynamischen Wirtschaftlichkeitsbetrachtung in die Zukunft geschaut. Als Ergebnis ergibt sich, dass bei gewissen Randbedingungen die CO2-Abscheidung an Abfallverbrennungsanlagen wirtschaftlich attraktiv sein kann.

Online Korrosionsmessung in Müllverbrennungsanlagen

Adrian Marx, Dennis Hülsbruch, Stefan DeYoung, Jochen Ströhle, Max Schönsteiner, Axel Hanenkamp, Ulrich Martin und Bernd Epple

Hochtemperaturkorrosion ist ein häufig beobachtetes Phänomen in Müllverbrennungsanlagen. An der TU Darmstadt werden elektrochemische Sensorsysteme für die Online-Überwachung von Hochtemperaturkorrosion entwickelt, die für die Membranwand von Kraftwerkskesseln ausgelegt sind. In der vorliegenden Arbeit wurde eine Müllverbrennungsanlage mit einem Online-Korrosionsmesssystem ausgestattet. Anhand der Messdaten des Systems und Betriebsdaten des Kraftwerks können Korrelationen hergestellt und Einflussfaktoren auf den Korrosionsangriff identifiziert werden.

Eine Flotte von Synchronkondensatoren für ein robustes Stromversorgungssystem: Der Italienische Fall

Marco Cioffi

Die zunehmende Einbindung erneuerbarer Energiequellen und Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragungssysteme (HGÜ) erhöht die Komplexität des Stromnetzbetriebs und erfordert Verbesserungen und Modernisierungen, um Stabilität und Sicherheit zu gewährleisten. Synchrone Kondensatoren (SynConds) sind eine bewährte Lösung, die Spannungsregelung, Blindleistung, Kurzschlussleistung und Trägheit bereitstellen und so die Netzstabilität und die Stromqualität verbessern. Ihre schnelle Reaktion ermöglicht ein sofortiges Handeln bei Spannungsschwankungen.

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Netzbildende Wechselrichter: Anforderungen, Nachweise und der neue Markt für Momentanreserve

Bastian Maucher

Der Anteil umrichterbasierter Erzeugungsanlagen im europäischen Verbundnetz wächst stetig. Damit sinkt die physikalische Massenträgheit, die bislang Synchrongeneratoren bereitstellten. Der vorliegende Beitrag erläutert zunächst den regulatorischen Rahmen der marktgestützten Beschaffung. Anschließend beschreibt er die Funktionsweise netzbildender Wechselrichter und vertieft exemplarisch zwei Anforderungen, die den regelungstechnischen Aufbau der Einheiten besonders stark verändern: das Spannungsquellenverhalten und die netzsicherheitsbasierte Primärregelung. Abschließend stellt er die verfügbaren Nachweiswege dar – von der Prototypenregelung über das Einheitenzertifikat bis zur Umrüstung von Bestandsanlagen.

Definiert das SNCR-Verfahren unter den verschärften NOx-Grenzwerten auch heute noch den Stand der Technik?

Bernd von der Heide und Daniel von der Heide

Mit der stetigen Senkung der NOx-Grenzwerte aus Verbrennungsanlagen steigen Zweifel, ob mit dem SCNR-Verfahren die zukünftigen Anforderungen noch erfüllt werden können, zumal SNCR im Vergleich zu SCR vielfach als minderwertige Nischentechnologie wahrgenommen wurde und auch noch wird. In diesem Beitrag werden die wesentlichen Entwicklungsschritte des SNCR-Verfahrens kurz beschrieben und die Vor- und Nachteile beider Verfahren verglichen. Anhand von Betriebsergebnissen wird belegt, dass die neuen BREF-Werte, d.h. die Beste Verfügbare Technik (BVT), mit dem SNCR-Verfahren technisch erreicht und wirtschaftlich z.T. übertroffen werden.

Ein fehlendes Puzzleteil bei der Überwachung von Gasturbinen

Daniel Hümmer, Thomas Steinbacher, Fabian Legl, Roman Karlstetter, Jakob Hermann und Julius Becker

Sowohl aus wirtschaftlichen Gründen als auch aus Gründen der Versorgungssicherheit ist es wichtig, Probleme, die den Betrieb einer Gasturbine gefährden könnten, so früh wie möglich zu erkennen. Hochaufgelöste Daten dynamischer Drucksensoren sind perfekt geeignet, um solche Anomalien frühzeitig zu erkennen, da sie einen tiefen Einblick in den Zustand der Maschine gewähren. Um die Vorteile der vollen Datenbandbreite nutzen zu können, wurde ein KI-gestütztes System zur Anomalieerkennung entwickelt und ausgerollt, das vollständig an der Edge operiert, sprich, direkt vor Ort an die existierende Messkette der Drucksensoren angeschlossen ist und keinen Anschluss an externe Server benötigt. Das System ist auf Turbinen in Einzelbrennerbauweise optimiert.

Niederfrequente Geräusche beim Bau von Kühltürmen

Thomas Meyer und Michael Weinert

Der Betrieb von großen Kühltürmen ist mit komplexen Schallabstrahlungen verbunden, wobei niederfrequente Geräusche unterhalb von 100 Hz zunehmend in den Fokus der Aufmerksamkeit rücken. Ziel dieses Artikels ist es, das Bewusstsein für das Thema Niederfrequenzschall zu schärfen, die Hauptursachen für die Entstehung von Niederfrequenzschall in Kühltürmen aufzuzeigen und bestehende Minderungsmaßnahmen hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Durchführbarkeit und Praktikabilität zu bewerten.

Pyrolyse von Biomasse als Beitrag zur Klimaneutralität: Technologien, Herausforderungen und Praxisbeispiele

Ronald Wilhelm

Die Herausforderungen des Klimawandels machen deutlich, wie dringend die Reduktion von Treibhausgasemissionen vorangetrieben werden muss. Eine Technologie, die in diesem Zusammenhang zunehmend an Bedeutung gewinnt, ist die Pyrolyse von Biomasse. Sie bietet die Möglichkeit, Kohlendioxid nicht nur in erheblichem Umfang zu reduzieren, sondern gleichzeitig wertvolle Nebenprodukte zu erzeugen. Dieser Beitrag legt den Schwerpunkt auf die emissionsarme Nutzung des Gases im industriellen Maßstab und zeigt, welche technischen Maßnahmen für eine schadstoffarme Verbrennung entwickelt wurden.

Die Stromerzeugung aus Gas – ein zunehmend wichtiger Eckpfeiler moderner Stromversorgungssysteme

GECF Gas Exporting Countries Forum

Der weltweite Strombedarf steigt weiterhin stetig an. Infolgedessen ist der Anteil von Strom am weltweiten Endenergieverbrauch von 18 % vor einem Jahrzehnt auf heute 21 % gestiegen, was seine wachsende Bedeutung in allen Wirtschaftssektoren und seine Entwicklung zum bevorzugten Energieträger widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund bleibt Erdgas ein zentraler Bestandteil der Stromversorgungssysteme weltweit. Die Stromerzeugung aus Erdgas stieg von 6.880 TWh im Jahr 2024 auf 6.900 TWh im Jahr 2025, wodurch Erdgas seine Position als weltweit zweitgrößte Quelle der Stromerzeugung mit einem Anteil von 22 % an der Gesamtleistung behaupten konnte – nur hinter Kohle mit 33 %.

vgbe-Konferenz | KELI 2026 – Elektro-, Leit- und Informationstechnik in der Energieversorgung

vgbe energy

Wie reagieren wir auf digitale und physische Angriffe auf kritische Infrastruktur? Wann kommt der nächste Blackout? Welche Rolle spielen Drohnen, geopolitische Einflüsse oder KI-Anwendungen? Und was können wir voneinander hinsichtlich IT-/OT-Sicherheit und Elektrotechnik in Energieanlagen lernen? Eins war klar: Die Themenlage der KELI 2026 hätte aktueller und spannender kaum sein können. Fast 50 Vortragende präsentierten 40 Beiträge. Dabei war die KELI-Community so groß wie lange nicht mehr: 250 Teilnehmer machten sich auf den Weg nach Mannheim, um vom 19. bis 21 Mai mit dabei zu sein.

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Event Report | vgbe Workshop Flue Gas Cleaning 2026

vgbe energy

Die Rauchgasreinigung ist und bleibt ein Kernthema der Energietechnik. Trotz des steigenden Anteils erneuerbarer Energien wurden weiterhin etwa 29 % der Stromerzeugung in der EU durch fossile Energieträger gedeckt. Vor diesem Hintergrund ist die effiziente und zuverlässige Abscheidung von Schadstoffen aus Rauchgasen unverzichtbar, um gesetzliche Grenzwerte einzuhalten und die internationalen Klimaziele zu erreichen. Im Fokus stehen weiterhin klassische Schadstoffe wie Schwefeldioxid (SO2), Stickoxide (NOx) und Staub, zunehmend jedoch auch Kohlendioxid (CO2) sowie Spurenschadstoffe wie Quecksilber. Auf dem vgbe-Workshop „Flue Gas Cleaning 2026“ in Lyon, Frankreich, 20. und 21. Mai 2026, wurden die aktuellen Themen aufgegriffen und diskutiert.

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Editorial

Tobias Neumann

Dr.-Ing. Tobias Neumann

RWE Technology International GmbH
CCS & Biomass, Development and Execution Support
Essen, Deutschland

Align-Projekt Kraftwerk Niederaussem

Ferdinand Steffen

RWE Power AG
Forschung & Entwicklung
Leiter Neue Technologien und Sektorenkopplung
Essen, Deutschland

BECCUS – Beiträge und Erfolgsbedingungen der Energiewirtschaft für eine nachhaltige Kohlenstoffwirtschaft

Liebe Leserinnen und Leser,

die Transformation der Stromerzeugung ist und bleibt eine riesige Herausforderung für europäische Energieversorgungsunternehmen (EVU). Erneuerbare Energien – Wind- und Solarenergie – bilden inzwischen das Rückgrat vieler Erzeugungsportfolios. Flankiert wird dieser Wandel durch einen zunehmenden Fokus auf flexible, gesicherte Stromerzeugung und Energiespeichertechnologien, die die Versorgungssicherheit gewährleisten sollen.

Für Energieversorger wie RWE gilt: Durch den bevorstehenden Ausstieg aus der Kohleverstromung ergibt sich keine Notwendigkeit mehr, CO2-Wäschen an Kohlekraftwerken nachzurüsten. Ob neue Gaskraftwerke (GuD-Anlagen) mittelfristig durch die Abscheidung von CO2 oder durch den Einsatz von H2 fit für die Zukunft gemacht werden, hängt von der Auslastung der Anlagen, der Regulatorik und der Entwicklung der Preise für Erdgas, Wasserstoff und auch CO2 ab. Die aktuelle Regulierung bietet derzeit auch keine Anreize, CO2 aus biogenen Punktquellen wie Biomasse-, Klärschlamm- oder Müllverbrennungsanlagen abzuscheiden, zu nutzen oder zu speichern – „Bio-Energy Carbon Capture Utilisation & Storage (BECCUS)“ ist nicht verpflichtend!

Dabei verfügen EVU im Zuge des Ausstiegs aus der etablierten konventionellen Grundlast-Stromerzeugung aus Kernenergie und Kohle über weiterhin werthaltige Assets: Konversionsfähige Brownfield-Standorte, erfahrene operative Belegschaften, eine sehr gute Infrastruktur mit Bahn- oder Schiffsanschlüssen, Netzanbindung sowie intakte Ver- und Entsorgungseinrichtungen. Viele Standorte haben zudem einen Zugang zu biogenen CO2-Punktquellen, sei es aus Biomasse-, Klärschlamm- oder Müllverbrennungsanlagen, und durch ihre Nähe zum geplanten Wasserstoff-Kernnetz auch zu grünem Wasserstoff. Was letztlich mit diesen Standorten geschieht, ob sie überhaupt noch einen festen Platz im Energiesystem der Zukunft einnehmen werden, wird derzeit in den Strategieabteilungen der EVU intensiv analysiert.

Eines ist jedenfalls klar: Die oben beschriebene Ausgangslage schafft neue Anreize für die Energiebranche, einen Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen: Warum nicht mit BECCUS einen Beitrag zur Defossilisierung und somit zur Erreichung der Klimaschutzziele anderer industrieller Sektoren leisten – beispielsweise über die Bereitstellung von grünem Feedstock für die chemische und petrochemische Industrie oder zur Steigerung der Resilienz – also zur Verringerung der Abhängigkeiten von Einfuhren aus dem Ausland, wenn die technischen, regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen dies zulassen?

Es ist zu erwarten, dass die chemische Industrie, Produzenten von Treibstoffen, Baustoffunternehmen und das produzierende Gewerbe zunehmend auf Kohlenstoff aus nachhaltigen Quellen zurückgreifen müssen oder auf negative CO2 Zertifikate angewiesen sein werden – beides kann BECCUS liefern. Grünes CO2 aus biogenen Quellen kann – neben der Rückgewinnung aus dem Recycling von Produkten – eine alternative Kohlenstoffquelle darstellen. Durch die Abscheidung und Speicherung von CO2 können negative Emissionen zur Kompensation von schwer vermeidbaren Emissionen generiert werden Der zu erwartende Ressourcenengpass eröffnet den EVU, aber auch Entsorgern von Abfällen und Klärschlamm, neue Geschäftsoptionen abseits ihres Kerngeschäfts.

Noch ist es aber nicht so weit! Für Investitionen in CCU- oder CCS-Projekte fehlen derzeit noch wichtige regulatorische Weichenstellungen, und im Falle der CO2-Nutzung ein verlässliches, langfristiges Commitment der Kunden (Off-Taker). Projektentscheidungen müssen immer im Kontext der gesamten Wertschöpfungskette getroffen werden: Wo in der Wertschöpfungskette will man mit welchen Technologien und Produkten aktiv werden? In welchen Regionen soll produziert werden, und welche Transport- und Logistiklösungen passen dazu? Wie sind CCU und CCS im Hinblick auf Aufwand, Risiken, Chancen zu bewerten und für ein EVU strategisch einzuordnen? Welche langfristigen sektorenübergreifenden Partnerschaften sind dafür sinnvoll oder notwendig? Denn solche Partnerschaften sind zwingende Voraussetzung für eine erfolgreiche Umsetzung.

Die derzeitigen regulatorischen Rahmenbedingungen in Deutschland, der EU und weltweit befinden sich noch im Aufbau: Das CCS-Gesetz in Deutschland setzt zwar wichtige Signale, aber eine umfassende technologische Offenheit, langfristige Investitionssicherheit und die Einbeziehung biogener CO2-Quellen stecken noch in den Anfängen. EU-weit setzen die Instrumente des Green Deal und neue Industriegesetze positive Akzente, vielfach fehlen aber Detailregelungen zur Förderung von Negativemissionen oder zur grenzüberschreitenden CO2-Logistik. Andererseits besteht immer die Gefahr einer Überregulierung des Technologiefeldes, zu einem Zeitpunkt wo erste Demonstrationsprojekte starten, aber noch keine Infrastruktur besteht und man bei der industriellen Anwendung noch am Anfang der Lernkurve steht. Schließlich gibt es auch Fehler in der bereits bestehenden Regulierung. So wird der eingesetzte Strom in Höhe des Emissionsfaktors im Rahmen der Berechnung der negativen Emissionen in Abzug gebracht, obwohl die Stromerzeugung unter den europäischen Emissionshandel fällt. Falsche Anforderungen an die Qualität von negativen Emissionen verteuern diese deutlich – ohne einen Beitrag zum Klimaschutz. Für die Energiewirtschaft und potenzielle Investoren ist es letztlich von größter Wichtigkeit, langfristig Rechtssicherheit, einen fairen Marktzugang und als Anschubhilfe eine hohe Verlässlichkeit auf geeignete Förderinstrumente für BECCUS-Projekte zu erhalten.

Der sich herausbildende Markt zeichnet sich bislang nur in Konturen ab, er könnte aufgrund der Herkunft (grau oder grün) sowie der unterschiedlichen Qualitäten des CO2 durchaus komplex werden. Klar ist, CO2 wird zur Erlangung von Negativemissionen dauerhaft gespeichert werden müssen. Gleichzeitig muss ein Industrieland wie Deutschland biogenes CO2 zunehmend als Commodity begreifen, das für die chemische Industrie, zur Synthese von eFuels oder als Ausgangsmaterial für Produkte dringend benötigt wird.

Energieversorger haben mit ihren Assets das Potenzial, sich neben dem Portfolio eines Energieversorgers auch im Technologiefeld BECCUS zu engagieren, beispielsweise als Produzent und Bereitsteller von Rohstoffen und Vorprodukten für eFuels und eChemicals tätig zu werden oder sich an CO2-Transport- und Handelsnetzwerken zu beteiligen.

Die nächsten Jahre werden entscheidend dafür sein, ob es gelingt, eine funktionierende, sektorenübergreifende Kohlenstoffwirtschaft in Europa und weltweit aufzubauen. Energieversorgungsunternehmen können dabei zum unverzichtbaren Bindeglied werden, um den Mangel an „grünem Kohlenstoff“ in einer zunehmend defossilisierten Industrielandschaft zu entschärfen. Nicht zu unterschätzen ist dabei das Know-how, das der Energiesektor bei der Transformation seines Kerngeschäftes gesammelt hat und das nun andere Sektoren bei der Umstellung auf klimaschonende Prozesse durch schlagkräftige Partnerschaften nutzen können. Gelingt es, regulatorische Unsicherheiten auszuräumen, Marktsignale zu setzen und Partnerschaften zwischen Stromerzeugung, Chemie und Off-Takern zu schmieden, kann BECCUS zu einem echten Innovationstreiber für Nachhaltigkeit, Klimaschutz und Standortentwicklung werden.